50 Jahre Kongresshalle: Erinnern Sie sich

Geschichten und Fotos zu einem halben Jahrhundert Geschichte

Viele Berliner und Nicht-Berliner haben in den vergangenen fünf Jahrzehnten einiges erlebt mit und in der Kongresshalle. Sie haben hier Konzerte, Ausstellungen oder Vorträge besucht, Geburtstage gefeiert und mit dem Dampfer abgelegt. Manche haben noch Kennedy vor „der Halle“ gesehen oder können sich an den weithin schallenden Knall erinnern, als das Dach einstürzte. Andere waren mit der Schulklasse da, wieder andere haben dem Dalai Lama oder Nelson Mandela zugejubelt, als sie im Haus der Kulturen der Welt waren. Ob Kongresshalle, „Schwangere Auster“ oder Haus der Kulturen der Welt – jede Erzählung und jedes Bild komplettiert das Kaleidoskop einer bisher 50jährigen spannenden Geschichte.

1956 | Skizze von Hugh A. Stubbins | © Hugh Stubbins and Associates

1956 | Skizze von Hugh A. Stubbins | © Hugh Stubbins and Associates

„Ich habe viele Entwürfe ausprobiert...
... rechteckige, runde, quadratische etc. Nach wochenlanger Arbeit saß ich auf meinem Rasen und las die Sunday Times und da fiel es mir plötzlich ein. Ich machte eine kleine Skizze auf der Rückseite der Zeitung und sie erschien die Ausarbeitung wert. Die Idee vereinfachte vieles und hob das zentrale Merkmal, ‚die Halle‘ deutlich hervor.“
Hugh A. Stubbins, Architekt der Kongresshalle

Erste Skizzen, die Rede auf dem Richtfest Mai 1957 zum Nachhören, die Rede zur Einweihung am 19. September 1957 zum Nachlesen und mehr finden Sie hier ....

Am Nachmittag landete der Architekt Hugh Stubbins
„Die Kongreßhalle kannte ich bereits, bevor sie überhaupt gebaut wurde!
Wahrscheinlich war es im Jahre 1956, als ich (13 Jahre alt) mit meinen Eltern im Restaurant des Flughafens Tempelhof saß. Am Nachmittag landete der Architekt Hugh Stubbins und wurde auf dem Rollfeld von einer Delegation wichtiger Leute empfangen. Die Gruppe setzte sich dann im Restaurant an den Nebentisch; Herr Stubbins breitete dort seine Pläne aus und erläuterte seinen Entwurf der Kongreßhalle. Wir hatten gute Einblicke und konnten etwas mithören.
1980 stürzte das berühmte Bauwerk am Geburtstag meines Mannes ein und niemand wollte mir glauben, als ich diese Nachricht aus dem Radio weitergab.“ Elke Leonhardt

1957: Das Bauschild für den Innenausbau wird aufgebaut. | Foto: Eberhard Lindemann

1957: Das Bauschild für den Innenausbau wird aufgebaut. | Foto: Eberhard Lindemann

Ein Vierteljahrhundert Kongresshalle: Fotos von Eberhard Lindemann
Klicken Sie hier für die grandiosen Kongresshallenaufnahmen von Eberhard Lindemann, dem Berlin-Fotografen: Farbaufnahmen aus den 50ern.

Vom Hansaviertel zur Kongresshalle
Renate Schimetzek, Jg. 33., lebt seit 1957 im „Niemeyer-Haus“ im Hansaviertel. Das Hansaviertel und die Kongresshalle entstanden zur Internationalen Bauausstellung „Interbau“ 1957. Als begeisterte Fotografin hat Frau Schimetzek nicht nur den Kongresshallen-Rohbau, sondern auch die Entwicklung des Hansaviertels fotografiert. Kommen Sie mit auf eine Seilbahnfahrt über das Hansaviertel.

Die ganze Konstruktion nannte sich also Spannbeton…
„Ich hatte das Glück, in den Jahren von 1954-1957 meine Ausbildung zum Maurer bei der Hochbaufirma Wayss+Freytag zu machen und deshalb an diesem sehr gewagten Bauvorhaben vor Ort teilzunehmen....“ Joachim Viergutz

Lesen Sie die Erinnerungen von Joachim Viergutz an den Bau 1956/57 und seine Beschreibungen der Bauabläufe.

'n Zirkus?
„Der Rohbau der Kongresshalle wurde seinerzeit zur Besichtigung freigegeben. Damals gingen meine Eltern mit mir etwa 5jährigen Steppke zur Baustelle. Man durfte von einer erhöhten Seiteneingangstür ins Innere schauen. Als wir durch den Türausschnitt blicken konten, fragte ich laut meine Eltern: ‚wird das hier 'n Zirkus?‘ Meine Eltern und die übrigen Umstehenden fanden's lustig.“ Thomas Bachran

Die Kongresshalle | Fotograf: Gerhard Koch

Die Kongresshalle | Fotograf: Gerhard Koch

Die Eröffnung im September 1957
„ ... Es war teilweise ein Stehempfang. Die Reden fanden in der großen Empfangshalle statt. Da standen lauter Stühle. Da hat man sich hingesetzt und die Architekten sprachen über ihre Ideen, was sie gemacht haben, was man noch hätte machen können. Und der Hugh Stubbins, der ja nun leider nicht mehr kommen kann, weil er neunzigjährig gestorben ist, …der war ja auch fünfzig Jahre jünger. Man war da so ganz erfüllt davon: unsere Stadt! Auf der einen Seite hatten wir da noch richtig viele Trümmer. Und dann entstand da im Tiergarten dieser Riesen-Rasen erstmal…und so gepflegt und in einer irren Form. Und jeder dachte natürlich: „So was gibt’s doch gar nich’“, ’ne? Und eines Tages war eben wirklich die große Welt zu uns gekommen. Und das gab uns einen wahnsinnigen Elan. Und was danach alles noch gebaut wurde, das kam ja alles danach. ...“ Wera Ostwaldt

Lesen Sie das gesamte Interview mit Wera Ostwaldt, 1956/57 und 2006/07 Gestalterin der Wappen an der Kongresshalle.

... und spuckte geradezu die Worte ins Publikum
„Ende der 50er (1958/1959) erlebte ich Klaus Kinski in der Kongresshalle. Kinski rezitierte meiner Meinung nach Rimbaud. Da alles schon so lange zurückliegt, käme auch François Villon in Betracht. Aber ich weiss noch, wie expressiv alles war. Kinski stand vor einem schwarzen Vorhang und spuckte geradezu die Worte ins Publikum. Mich nahm der Abend sehr mit, ich war von dem wahnsinnigen Genie total besessen. Schade, dass er sein Talent mit den Wallace-Filmen so vergeudete...“ Karin Schulze

Karin Schulze, Krankengymnastin, hätte außerdem am Abend des Tages des Dacheinsturzes (21. Mai 1980) eine Bobath-Krankengymnastik-Vorlesung mit Dr. Berta Bobath und Dr. Karel Bobath im Auditorium der Kongresshalle gehabt. Die musste natürlich überstürzt verlegt werden - die beiden Vortragenden haben damals an Sabotage geglaubt...

[Anmerkung der Redaktion: Klaus Kinski hat 1958 sowohl Rimbaud als auch Villon in der Kongresshalle rezitiert.]

1961 | Jutta Warzecha auf „Fotosafari“ auf der Kongresshallenterrasse | © Jutta Warzecha

1961 | Jutta Warzecha auf „Fotosafari“ auf der Kongresshallenterrasse | © Jutta Warzecha

...fasziniert von der technischen Ausstattung der Halle
„Anlässlich dieser Tagung [Internationale Tagung „Flugnavigation und Flugsicherung“, 1958] war ich zum ersten Mal im Innern der Halle [...] Ich war damals fasziniert von der technischen Ausstattung der Halle, vor allem der Simultan-Dolmetscher-Anlage.“ Bernhard Drewitz

Klicken Sie hier für Bernhard Drewitz' Seite mit Bildern vom Rohbau.

1959: „Der“ Senator lädt ein
Ella Kay, seit 1955 Senatorin für Jugend und Soziales, ehrt die Deutschen Meister und Jugendbesten im Sport in der „Halle“. Willy Brand ist auch da. Margot Hacker, geb. Wolf, erinnert sich.

Straßenumbenennung in John-Foster-Dulles-Allee 1959 und Schulbälle
„Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass meine Eltern mit meiner Schwester und mir schon zur Straßenumbenennung [1959 von „In den Zelten“] in John-Foster-Dulles-Allee – in Anwesenheit von Eleanor Dulles, der Schwester von John Foster Dulles – beigewohnt haben.“ Kurt Radtke

Kurt Radtke schreibt von der Straßenumbenennung und den Jahresbällen der Selma-Lagerlöf-Oberschule in den 60ern und 70ern. Mit Fotos von 1959 und Ball-Menükarte 1977.

… und Wilhelmine Lübke wollte immer Kellner mit weißen Handschuhen…
Inge Früauf hat ihr Fotoalbum für uns geöffnet und erzählt aus den 60er Jahren, als ihr Mann Heinz Früauf (1929-2002) Direktor des Kongresshallenrestaurants war. Sie lernte ihren späteren Mann Heinz im Januar 1963 an der Bar der Kongresshalle kennen. Lesen Sie hier von Stars und John F. Kennedy, zentnerschweren Silberplatten und Pfingstfrühkonzerten.

...als ich ein fremdartiges Gebäude entdeckte
„Am ersten Tag meines Lebens in Berlin, dem 1. Oktober 1963, ging ich auf Wanderschaft im Tiergarten. Mir gingen die Augen auf, als ich ein fremdartiges Gebäude entdeckte. In den darauf folgenden Monaten suchte ich nach Möglichkeiten, auf das wunderschön geschwungene Dach zu kommen. Als der Schnee im folgenden Frühjahr schmolz, kletterte ich darauf und ließ mich fotografieren.“ Ahmet E. Çakir

Lesen Sie mehr von Ahmet E. Çakir, der in der „Halle“ einen Kongress veranstaltete – 1979, ein Jahr vor dem Einsturz....

Kempinski und das Restaurant in der Kongresshalle
„Am Freitag 13.10.1976 meldete der Gastronom [des Restaurants der Kongresshalle, Aschinger] Insolvenz an und die AMK [Ausstellungs,- Messe,- Kongress-GmbH Berlin] bat uns, den Betrieb sofort zu übernehmen. Was ich auch tat und Ron Spies als Leiter einsetzte. Der Pächter E. F. Borchardt (Aschinger) hatte einmal Kempinski übernommen, nun taten wir es... In der Tat wurde die M. Kempinski & Co GmbH, Mitte November 1938 von der Aschinger AG übernommen. Zunächst eine freiwillige, dann eine Zwangsarisierung.

Jahre zuvor, 1972, feierte die Dresdner Bank den 100. Jahrestag ihrer Gründung in der Kongresshalle. Da es mit dem damaligen Restaurantpächter zu keiner Einigung über die Ausrichtung des Mittagessens kam (Dresdner Bank als Hauptaktionär von Kempinski...) musste ein anderer Platz für 1.200 Gäste gefunden werden. Das tat ich dann auch auf 10 Wannsee Schiffen.

Präsident Carter kam [1978] nur wenige Stunden in die Kongresshalle. Wir bereiteten damals das Mittagessen vor, das nach der Konferenz in der Kongresshalle stattfand. Grosse Sicherheit, aber ich konnte ihn persönlich begrüßen – mit Sonderausweis.“ Rudolf (Rudy) W. Münster, 1968-1980 geschäftsführender Direktor Kempinski und gleichzeitig Mitglied des Vorstandes, seit 1980 selbstständig mit RWM Hotel Consult GmbH

Kurt Fischer, Lutherstadt Wittenberg | Die Kongresshalle in den 70ern | © Kurt Fischer / Gerlind Fichte

Kurt Fischer, Lutherstadt Wittenberg | Die Kongresshalle in den 70ern | © Kurt Fischer / Gerlind Fichte

Der ARD-Bär auf dem Kongresshallendach
„Auch ich habe viele Erinnerungen an dieses wunderbare Gebäude:
Ende der 60er, Anfang der 70er-Jahre gab es in der ARD noch den ‚echten‘ Bären in den Werbepausen. Eine seiner Kapriolen bezog sich auf die Kongresshalle – dort lief er schwungvoll fröhlich grinsend mit seinen Rollschuhen über das geschwungene Dach. Als kleines Kind fand ich das äußerst spaßig und habe wirklich daran geglaubt, dass man dort Rollschuh laufen kann. Als ich das erste Mal dann selbst an der Halle stand, habe ich mich dann doch gewundert, wie das so hoch oben funktioniert und wie der Bär das macht, ohne hinunterzufallen…“ Janet Alvarado

Manuel Göttsching und Claudia Skodas „Big Birds“ in der Kongresshalle
Florian Baron sendet uns einen Link zu einem Video der SFB Abendschau vom 11. November 1979: An diesem Tag findet in der Kongresshalle die Fashion-Show von Claudia Skoda statt, begleitet von Manuel Göttsching. Manuel Göttsching war Kopf der legendären Band Ashra, die in den 70er-Jahren neben Tangerine Dream, Guru Guru und Can zu den Avantgarde-Ensembles des sogenannten Kraut-Rock gehört. Heute spielt er in Japan, in Berlin im Berghain, in der Scala, beim Filmfestival Venedig oder mit den San Francisco Symphonikern. Zum Video auf youtube.com

Jimmy Carter, fulminante Silvesterfeiern und der Dacheinsturz
Ronald Urbaschek, bis zum Einsturz im Mai 1980 Küchenleiter des Kongresshallenrestaurants, erzählt vom Restaurant, vom Besuch Jimmy Carters 1978 und von seinen unmittelbaren Erlebnissen am Tag des Einsturzes 1980. Lesen Sie hier ...

1980 nach dem Einsturz | © Manfred Strauß

1980 nach dem Einsturz | © Manfred Strauß

Sowjetische Flugzeuge 1965 und der Dacheinsturz 1980
„Meine Geschichte hat mit dem Einsturz des Dachs der Kongresshalle 1980 zu tun. In den 60ern fanden in der Kongresshalle Bundestagssitzungen statt. Zur Sitzung 1965 sind sowjetische Überschallflugzeuge über Berlin und Kongresshalle geflogen, um mit ihrem Lärm die Sitzung zu stören. Ich kann mich gut an den ohrenbetäubenden Knall beim Durchbrechen der Schallmauer erinnern. Ich kann mir vorstellen, dass die Vibrationen Risse in der Stahlkonstruktion des Daches der Kongresshalle verursacht haben – die 15 Jahre später den Einsturz des Daches mit ausgelöst haben könnten.“ Hans-Joachim Feldmann, 80 (aufgeschrieben nach einem Telefonat am 02.01.2007)

Die dissonanten Schwingungen unserer Instrumente ...
17. Mai 1980, 4 Tage vor dem Einsturz: Kerstin Schilling musiziert mit dem Jungen Ensemble Berlin unter der Dachkrempe. Das Konzert umrahmt die Jahreshauptversammlung des Bundes der Berliner und Freunde Berlins, die in der Kongresshalle stattfindet.

„Es gab zu Mauerzeiten eine äußerst verblüffende Einrichtung in Westdeutschland (ja liebe Nicht-Berliner aus den alten Bundesländern, so haben wir Euch genannt, egal ob Ihr aus in Flensburg, Koblenz, München oder Köln kamt): den Bund der Berliner und Freunde Berlins. Das war ein Verein, der Exil-Berliner und Anhänger der geteilten Stadt zusammenbrachte. Überall in der Republik gründeten sich in den 50er und 60er Jahren Regionalverbände und einige existieren noch heute. West-Berlin wurde äußerst engagiert unterstützt, allerdings reichte die Begeisterung nicht so weit, dass die Mitglieder in der eingemauerten Stadt hätten leben wollen. Doch es gab regelmäßige Reisen und die Jahreshauptversammlungen fanden in Berlin statt, so auch im Mai 1980 in der Kongresshalle.

Ich spielte damals Querflöte und Piccolo in einem Jugendorchester, dem Jungen Ensemble Berlin e.V. Da wir auf unseren Reisen schon oft beim Bund der Berliner in allen möglichen Städten musiziert hatten, wurden wir für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung angefragt. Am 17. Mai spielte das Sinfonieorchester im großen Saal der Kongresshalle, das Blasorchester musizierte draußen unter der Dachkrempe. Vier Tage später stürzte der Dachrand ein.

Ich glaube, dass unsere musikalischen Leistungen nicht so überragend waren, zumindest im Blasorchester ging es eher um ‚laut und schnell‘ als um hohe künstlerische Leistung. Deshalb entstand sofort der Scherz, es seien nicht Konstruktionsfehler und der Spannstahl am Unglück schuld gewesen, sondern die dissonanten Schwingungen unserer Instrumente. Doch im Grunde war es viel ernster, ein Redakteur des SFB kam ums Leben und es grenzt an ein Wunder, dass nicht sehr viel mehr bei diesem Unfall passierte.

Für uns alle aber, die damals mitmusizierten, ist die Kongresshalle seitdem mit unserem Auftritt und dem dramatischen Geschehen kurz darauf verbunden – jenseits aller großen geschichtlichen Ereignisse, die ansonsten an diesem Ort stattfanden. So klein kann Historie manchmal sein.“ Kerstin Schilling, Januar 2007

Die Berlinerin Kerstin Schilling ist heute Marketingleiterin der Berliner Festspiele und Autorin des Buches Insel der Glücklichen – Die Generation Westberlin

Urban Münzer | Das eingestürzte Dach der Kongresshalle (Detail) | Fotograf: Urban Münzer

Urban Münzer | Das eingestürzte Dach der Kongresshalle (Detail) | Fotograf: Urban Münzer

Kongresshalle eingestürzt – aber der Flügel ist doch noch zu gebrauchen.
„... Wir arbeiteten also an diesem lauen Sommertag still vor uns hin, als uns ein ziemlich lauter Krach aus den Überlegungen für weitere Festival-Aktivitäten aufschreckte. Es klang so, als ob im Zoo irgendwas explodiert wäre. Man lief an den Fenstern auf der privilegierten Seite des Gebäudes zusammen und schaute hinaus auf eine ziemlich weit entfernt aufsteigende Rauchfahne. ‚"Das ist im Osten – da hat jemand die Mauer gesprengt‘ – so und ähnlich lauteten die kühnen Vermutungen. In der Empfangs-Pforte gab es ein Radio und schon nach wenigen Minuten war uns klar, dass es die eingestürzte Kongresshalle gewesen sein musste. Die Rauchfahne legte sich allmählich und man ging irgendwie zum gewohnten Geschäft über...“ Bernd Krüger von den Berliner Festspielen

Lesen Sie mehr zum Dacheinsturz und was ein Steinway-Flügel damit zu tun hat.

Unsere Schuld
„... gerne erzähle ich Ihnen, wie mein Vater und ich den Dacheinsturz der Kongresshalle verursacht haben: Als Kind ist mein Vater mit mir oft im Tiergarten spazieren gegangen. Dabei kamen wir dann auch an der Kongresshalle vorbei. Mein Vater wollte dann immer auf diese schräge Strebe, die auf das Dach führte, klettern und rief dann runter, dass ich auch kommen soll, die Aussicht sei oben so schön. Ich fand das irgendwie nicht richtig, aber mit schlechten Gewissen folgte ich ihm. Als ich dann hörte, dass das Dach eingestürzt war, war ich fest davon überzeugt, dass mein Vater und ich das verursacht hatten…“
Tanja Hanisch, 29.12.2006

Reportagen zum Wiederaufbau der Kongresshalle
„ .... Es gab jede Woche eine Reportage, die den Wiederaufbau zeigte. Es war ja kein Aufbau anfangs. Es war ein Abriss. Das Dach wurde abgetragen, es wurde ein neues Dach aufgetragen und dann kam das neue Dach, das man jetzt sieht. Denn das ist ja mit dem alten Gebäude gar nicht mehr verbunden. Da sind ja achtzig Zentimeter Luft dazwischen ... “ Anita Knabe

Lesen Sie das gesamte Interview mit Anita Knabe und ihrer Tochter Brigitta Knabe, beide privat und beruflich verbunden mit Aufbau und Wiederaufbau der Kongresshalle.

Das neue Dach der Kongresshalle
„Ich erinnere mich ein bisschen an die Diskussion, die nach dem Einsturz eines Teils der Kongresshalle im Mai 1980 begann. Das 1957 vielleicht etwas zu elegant geplante, berechnete und gebaute Novum einer Hängedachkonstruktion ließ sich nicht wieder im Maßstab 1:1 aufbauen: ein herbes Problem für das Denkmalpflegeverständnis jener Jahre. Der Landeskonservator brachte jedoch bald den Begriff einer "postkartengetreuen Rekonstruktion" ins Gespräch - und so konnte eine neue, etwas dickliche Silhouette entstehen, die das alte, schlanke Bild erfolgreich aus der Erinnerung drängt. Misstraut den Zeitzeugen!“
Wolfgang Braatz, ehemaliger Mitarbeiter der Zeitschrift „Bauwelt“, heute Pensionär

Pressezentrum zu den Vereinigungsfeierlichkeiten
Gerhard Kapito berichtet uns von der Einrichtung des provisorischen Pressezentrum zu den Vereinigungsfeierlichkeiten vor dem Reichtags um den 3. Oktober 1990. Als Abteilungsleiter beim Postamt 12 (Charlottenburg, Goethestraße) war Herr Kapito auch für die Einrichtung von Postannahmestellen für vorübergehenden Bedarf zuständig. Der Reichstag war noch nicht wieder aufgebaut, Bundestagsbauten und Kanzleramt existierten noch nicht. Die in Sichtweite des Reichstags gelegene Kongresshalle hatte bei ihrer Eröffnung 1957 die modernsten Kommunikationsanlagen, die nur mit denen der UNO vergleichbar waren.

„[Freitag, 27. September 1990, Anfrage aus Bonn zur Einrichtung einer postalischen Annahmestelle in der Kongreßhalle ab Montag, dem 30. September 1990] Noch am Nachmittag [des 27.] bin ich mit dem für die Einrichtung zuständigen Beamten in die Kongreßhalle gefahren. Die Schwierigkeit bestand jedoch darin, daß uns die Postamtsräume nach Beseitigung der Schäden, die durch den Einsturz des Daches entstanden waren, nicht wieder übergeben wurden. Wir waren somit nicht im Besitz der Zugangsschlüssel. Nach einigem Hin und Her war es uns dann gelungen, die Posträume zu betreten, die zunächst von Staub und Unrat gesäubert werden mussten und von uns noch am Sonnabend [28.09.] für die Aufnahme des Dienstbetriebs am Montag ausgestattet wurden.“
Gerhard Kapito

Hagen Matuschek | beim Gilberto-Gil-Konzert 2006

Hagen Matuschek | beim Gilberto-Gil-Konzert 2006

... und hieß auf einmal Haus der Kulturen der Welt
„Und nur einen Augenschlag später war alles anders. Sie stand dort und hieß auf einmal Haus der Kulturen der Welt. Und sie stand nicht mehr dort, wo sie vorher stand, am Rande des Tiergarten. Ende 1989 stand sie mittendrin. Auf einmal sah ich sie öfter als in all den Jahren zuvor. Sie war nicht mehr einfach wieder ‚da‘, sie war ‚hier‘. Und ich in ihr. Ganz ungewöhnlich in ihrer Vielfalt und doch so ganz normal. Sie war nicht mehr nur Lächeln, sie war nicht mehr nur Fratze, sie war Trotz. Mein nächstes Jahrzehnt stand an und dieses schien viel versprechend.” Martina Kupke, 28.12.2006

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag von Martina Kupke zu Kongresshalle und Haus der Kulturen der Welt.

Heiner Müller „has a human condition“
Gerd Meuer über Wole Soyinkas Besuche der Kongresshalle in den 60ern und 1990 im neu gegründeten Haus der Kulturen der Welt. 1990 nimmt der erste afrikanische Literaturnobelpreisträger zusammen mit Heiner Müller an „A voyage around…“ im HKW teil. Es wird ein denkwürdiger Abend, in dem Whisky eine Rolle spielt... Lesen Sie den ganzen Beitrag hier...

radiomultikulti und die Container im Ostgarten des HKW
„Das Gebäude ist ganz eng verknüpft mit der Geschichte von radiomultikulti. Aus dem Garten des Gebäudes wurde radiomultikulti 1994 zum ersten Mal gesendet. Und zwar aus drei Containern – die stehen immer noch da. Es hat auch eine persönliche Bedeutung für mich – denn ich habe dort meinen jetzigen Mann kennengelernt. Ich habe im Januar 1995 ein Praktikum bei radiomultikulti gemacht habe und mein heutiger Mann, Tobias Maier (heute ist er der Musikchef von radiomultikulti), war Musik-Redakteur. Das erste Mal habe ich ihn tatsächlich im Ost-Garten des Hauses der Kulturen der Welt gesehen. Wir haben 2005 geheiratet und unsere Tochter ist jetzt 1 1/2. Die Stimmung damals in diesen Container war toll, es hat sich wirklich angefühlt wie im Ferienlager. Das lag auch an der Nähe zum Tempodrom.“ [Das Tempodrom-Zelt stand von 1984-1999 neben der Kongresshalle.]
Nina Siegers, Moderatorin bei radiomultikulti

Diese Galerie entstand anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Kongresshalle 2007. Wir bedanken uns herzlich bei allen Einsenderinnen und Einsendern für ihre Texte und Bilder!