2 oder 3 Tiger


Do, 20. April 2017 — Mo, 03. Juli 2017

Mille, Japanese Tiger Devouring Asia, 1905 | East Asia Image Collection, Richard Mammana Japanese Empire Postcard Collection, Lafayette College. http://digital.lafayette.edu/collections/eastasia/mammana-postcards/rm0028

Mille, Japanese Tiger Devouring Asia, 1905 | East Asia Image Collection, Richard Mammana Japanese Empire Postcard Collection, Lafayette College. http://digital.lafayette.edu/collections/eastasia/mammana-postcards/rm0028

2 oder 3 Tiger ist eine Gruppenausstellung über Kolonialismus und Medien, die sich der Frage nach den kulturellen Dimensionen der Moderne in Ostasien widmet. Die Gestalt des Tigers erscheint hier als Medium zwischen kulturellem Imaginären und geopolitischen Verschiebungen, durch welches mythologische, koloniale und moderne Geschichten in die Gegenwart eingeschrieben werden. Die Ausstellung versteht sich als Reflexion über Modernisierungsideologien; sie untersucht, wie herrschende Verhältnisse Kultur und Leben verändern, wie Identitäten destabilisiert oder verhärtet werden. Die Moderne wird dabei als koloniales Schema reflektiert, das sich in der Geschichte der Nationalstaaten, der Militarisierung und Finanzialisierung fortschreibt; aber auch als umfassende Neuordnung der Welt und der Weltbilder, die in den meisten Gesellschaften in den vergangenen 200 Jahren zu einer tiefen Bewusstseinskrise geführt hat.

Eine zentrale Arbeit, der die Ausstellung den Titel entlehnt, stammt von dem Künstler, Film- und Theatermacher Ho Tzu Nyen aus Singapur. Hos Installation widmet sich der gespenstischen Wiederkehr des Tigers in der Geschichte Singapurs und Malaysias nach dessen fast vollständiger Ausrottung im 19. Jahrhundert. Hier, wie auch in weiteren Momenten in der Ausstellung, erscheint der Tiger als kosmologische Grenzfigur an den Rändern der menschlichen Zivilisation und Gesellschaft, sowie als mythisches Verbindungsglied zu anderen Welten, das heute einen Zugang zu einem anderen kollektiven Gedächtnis ermöglicht und herkömmliche Vorstellungen von Moderne und ihrem Anderen verschiebt.

Mit Arbeiten von Ho Tzu Nyen, James T. Hong, Hsu Chia-wei, IM Heung-Soon, Jane Jin Kaisen & Guston Sondin-Kung, Minouk Lim, Park Chan-Kyong, Yuichiro Tamura.

Die Ausstellung wird von Anselm Franke und Hyunjin Kim kuratiert.

Hyunjin Kim kuratiert seit 2001 diverse Ausstellungen für internationale Museen und Institutionen. Zudem war sie als Ko-Kuratorin der 7. Gwangju Biennale (2008) tätig. Der Schwerpunkt der Kunsttheoretikerin liegt in Asien. Von 2014 bis 2015 war sie Direktorin des Arko Art Center in Seoul. 2015 war sie im Beirat des Art Asia Archive, Hong Kong sowie der New Museum Triennale, New York.

Im Rahmen von 100 Jahre Gegenwart

Ausstellung, Diskursprogramm

Eröffnung 20.4.2017, 19h
Diskursprogramm I: 20.4. – 23.04.2017
Diskursprogramm II: 29.06. – 02.07.2017