After the Wildly Improbable

Adania Shibli, Mohammad Al Attar, Rabih Mroué
September/Oktober 2017

Georges Henein / Photograph by Boula Henein | Courtesy: Farhi Estate, Paris and the artist

Georges Henein / Photograph by Boula Henein | Courtesy: Farhi Estate, Paris and the artist

After the Wildly Improbable betrachtet in drei neu entwickelten künstlerischen Projekten alternative Entwürfe soziopolitischer und kultureller Transformationen, die in Regionen im östlichen und südlichen Mittelmeerraum mit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs ihren Anfang nahmen. Der Titel des Projekts ist einem Ausspruch des britischen Konsuls von Damaskus im Jahr 1900 entlehnt. Der Bau einer Eisenbahn von Damaskus nach Mekka schien ihm „so wildly improbable, not to say fantastic“ – und auf das Wort „wild“ in seiner doppelten Bedeutung kommt es an: außerhalb der Reichweite der Kultur und damit außerhalb ihrer Grenzen und Beschränkungen. Diese Grenzüberschreitung ist thematischer Fokus: Wie kann man jenseits der Fallgruben etablierter Narrative – Fortschritt, Zivilisation, Orientalismus – bisher kaum beachtete Erfahrungsräume erkunden?

Die Autorin und Kulturwissenschaftlerin Adania Shibli untersucht in einer zweitägigen Veranstaltung die Bagdad- und Hedjaz-Eisenbahn: das mit deutscher Unterstützung während des Ersten Weltkrieges begonnene und unvollendet gebliebene Großprojekt des Osmanischen Reiches. Die Bagdad-Bahn sollte Berlin mit Bagdad verbinden, während die Hedjaz-Bahn Damaskus mit Mekka und quer bis nach Jerusalem und Alexandria verbunden hätte.

Der Dramatiker Mohammad Al Attar beleuchtet die – künstliche – Staatenbildung Syriens seitens der Kolonialmächte und lokalisiert Ursachen heutiger Konflikte und Positionen in den politischen Kataklysmen nach dem Ersten Weltkrieg. Jenseits vorgefertigter Denkmuster dekonstruiert er die komplexe Struktur der Stellvertreter-Kriege, die das Schicksal der Region bis heute bestimmen. In seiner Reflexion über Vergangenheit und Gegenwart Syriens stellt er sich – und uns – die nicht so einfache Frage: Wo stehen wir heute?

Der Künstler und Regisseur Rabih Mroué hinterfragt mit seiner neu entwickelten Arbeit sowohl den Konsumismus des Westens als auch aktuelle islamische Ideologien. Mroués Produktionen, wie beispielsweise das am HKW im Rahmen des Berlin Documentary Forum aufgeführte Riding on a Cloud, verwahren sich gegen jegliche agitatorische Vereinnahmungen, indem sie Fragen stellen, statt Antworten zu geben, und den Zuschauer/Zuhörer*innen auf sein eigenes Denken zurückwerfen.

Im Rahmen von 100 Jahre Gegenwart

Performances, Präsentationen, Vorträge

15.-16. September 2017
Adania Shibli
22.-23. September 2017
Mohammad Al Attar
6.-7. Oktober 2017
Rabih Mroué