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Fr, 24. März 2017

Migration - Talking Migration

Mit Avery F. Gordon, Bernd Kasparek, Sandro Mezzadra, Zoran Terzić, Brigitta Kuster, Isabelle Saint-Saëns, Ramzi Kassem und Kim Rygiel

Was ist gemeint, wenn heute über Migration gesprochen wird und wie lassen sich die Migrationskämpfe, die im Spannungsfeld von National(staaten) und Kapital ausgefochten werden, einordnen? Ausgehend von einem Ereignis oder Dokument definieren die Teilnehmer*innen den Begriff der Migration und unterscheiden zwischen einem Verständnis von Migration als politischer Bewegung und als Mobilität. Sie stoßen eine Diskussion um die Frage an, wie Migration und Grenzregime jenseits von Gewalt und Ausgrenzung produktive Prozesse auslösen können.

Die Soziologin und Autorin Avery F. Gordon übersetzt die Sprache des Ausreißers – von der Vorbereitung bis zur Flucht – in den Bereich der Migration, um herauszufinden, ob auf diese Weise überkommene Vorstellungen von Bewegung hinterfragt werden können.

Der Migrationsforscher und Aktivist Bernd Kasparek diskutiert den politischen Faktor der Selbstbestimmtheit während des sogenannten „Sommers der Migration“ 2015. An die Tatsache, dass Migrationswellen Europa von jeher auf die Probe gestellt und gestaltet haben, schließt sich die Frage an, nach welchen Antworten wir heute suchen müssen.

Der Politiktheoretiker Sandro Mezzadra spricht über Migrant*innen, die auf dem Dach eines Güterzugs, genannt La Bestia, auf dem Weg in Richtung USA Mexiko durchqueren. Hier verzahnen sich Migration und „logistische“ Mobilität: Lange bevor sie die Grenze überhaupt erreichen, müssen sich die Migrant*innen mit ihr auseinandersetzen. Mezzadra bezieht sich auf die These einer „Autonomie der Migration“ und konzentriert sich auf die Spannung zwischen der Logik des Kapitalismus – mit der migrantische Arbeit ausgebeutet wird – und der Ausgrenzungslogik des Nationalstaats.

In einem Klavier-Vortrag untersucht der Autor und Jazz-Pianist Zoran Terzić die Migration und das, was er als Pop-Nationalismus bezeichnet. Musik als symbolische Ausdrucksform kann nicht rein politisch interpretiert werden, aber sie kann sehr wohl dazu dienen, die politische Welt zu gestalten.

Als Hommage an John Berger betrachtet die Künstlerin und Kulturtheoretikerin Brigitta Kuster experimentelle Topografien der Subjektivität von Arbeitsmigrant*innen. Sie reflektiert über migrantische Zeit und nähert sich Bildern, Vorstellungen und Situationen an, die durch Migration entstehen.

Die Aktivistin Isabelle Saint-Saëns geht der Frage nach, wie Migrant*innen und soziale Bewegungen sich Überwachungsmaßnahmen (Forensics) zunutze machen können, um ihrerseits die Kontrolleure zu kontrollieren (Forensis).

Der Anwalt und Rechtswissenschaftler Ramzi Kassem untersucht, wie sehr der kürzlich von Donald Trump verkündete „Muslim Ban“ die Rechte von Migrant*innen und Nicht-Staatsbürger*innen im Namen der nationalen Sicherheit einschränkt. Er fragt, welche Auswirkungen die so geschaffene Atmosphäre nicht nur für die Betroffenen hat, sondern für alles, was sich als muslimisch etikettieren lässt.

Und die Politikwissenschaftlerin Kim Rygiel begutachtet die politische Praxis des „Regierens mittels Bürgerschaft (citizenship)“. Das Konzept des citizenship ist heute selbst zu einer globalen Ordnung geworden, durch die Mobilitätsrechte stark eingeschränkt werden. Gleichzeitig pochen aber gerade jene, die als „unerwünscht“ gelten, auf ihre Rechte und üben so eine neue Form der „Bürgerschaft von unten“ aus.

An die Präsentation der Thesen wird eine Diskussion mit den Teilnehmer*innen und dem Publikum anschließen, moderiert von Nanna Heidenreich und Brigitta Kuster.