Di, 12. Dezember 2017

Karin Knorr-Cetina, Philip Mirowski & Nick Srnicek – MARKT

Simon Denny und Linda Kantchev, Detail aus Blockchain Future States, 2016. | Courtesy the artists

Simon Denny und Linda Kantchev, Detail aus Blockchain Future States, 2016. | Courtesy the artists

Auf technologisch gesteuerten Märkten erzeugen beschleunigte Transaktionen eine immer dichtere Abfolge an Krisen; gleichzeitig bleibt das universalistische Credo von Wachstum, Fortschritt und Wohlstand stabil. In der digitalen Ökonomie sind es Maschinen und Algorithmen, die zunehmend entscheiden, handeln und arbeiten – und die längst mächtige Marktakteure geworden sind. Welche Grundannahmen zum Verhältnis von Mensch, Maschine und Arbeit liegen dieser Form von Markt zugrunde? Wie werden hier Entscheidungen getroffen und welche kulturellen und politischen Implikationen hat das? Wie verändert sich die gemeinschaftsstiftende Funktion von Märkten in einer Welt aus Blockchains und Kryptowährungen? Und welche Formen von Kritik und Widerstand kann es noch geben?

Karin Knorr-Cetina, Philip Mirowski und Nick Srnicek diskutieren die Grenzen einer Vorstellung von Markt, auf deren Grundlage die Finanzialisierung aller Lebensbereiche durch die Mittel der Digitalisierung radikal vorangetrieben wird.

Mit Interventionen des Chors der Kulturen der Welt unter der Leitung von Barbara Morgenstern und Philipp Neumann

Bekannt wurde die Soziologin und Wissenschaftsphilosophin Karin Knorr Cetina mit ihren Werken zur Epistemologie und zum Sozialkonstruktivismus, Themen, die sie in The Manufacture of Knowledge: An Essay on the Constructivist and Contextual Nature of Science (1981) und Epistemic Cultures: How the Sciences Make Knowledge (1999) ausführlich behandelte. Aktuell forscht sie zu globalen Mikrostrukturen und befasst sich mit Sozialstudien im Kontext der Finanzen. Knorr Cetina promovierte 1971 in Kulturanthropologie (mit dem Nebenfach Soziologie) an der Universität Wien. Zur Zeit ist sie Otto Borchert Distinguished Service Professor (auch für Anthropologie) und Inhaberin des Lehrstuhls an der Soziologischen Fakultät der Universität Chicago.

Philip Mirowski ist Carl Koch Professor für Ökonomie, Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftsphilosophie der Universität Notre Dame. Er publizierte umfänglich, darunter The Knowledge we have Lost in Information (2017), Machine Dreams (2001), ScienceMart (2011) und Never Let a Serious Crisis Go to Waste (2013). Mirowski wirkt als Gastdozent an Hochschulen in aller Welt. 2017 widmete das boundary 2-Kollektiv seinem Werk die Konferenz Neoliberalism, Its Ontology and Genealogy: The Work and Context of Philip Mirowski. Der ausgezeichnete Theoretiker machte sich nicht nur auf dem Feld der Wirtschaftswissenschaften einen Namen, sondern vor allem auch durch seine Arbeiten zur Historie und politischen Philosophie des Neoliberalismus und den methodischen Hinweis auf die wichtige Tatsache, dass die intellektuelle Geschichte eine Geschichte der Denkkollektive, nicht der heroischen Individuen ist.

Nick Srnicek, 1982 in Kanada geboren, ist Dozent für Digitale Ökonomie am King's College London. Zuletzt erschien von ihm Platform Capitalism. Zusammen mit Alex Williams publizierte er Inventing the Future: Postcapitalism und World Without Work. Demnächst wird sein mit Helen Hester als Koautorin geschriebenes neues Buch vorliegen: In After Work: The Politics of Free Time geht es um die Wechselwirkung von sozialer Reproduktion und Antibeschäftigungspolitik. Im aktuellen Forschungsprojekt widmet sich Srnicek der politischen Ökonomie der Künstlichen Intelligenz, der Frage, wie Maschinenlernen und Big Data im heutigen Kapitalismus Machtmonopole und Profit generieren und was das für die Zukunft der Wirtschaft bedeutet.