Zeit der Unruhe. Über die Internationale Kunstausstellung für Palästina 1978

Collectif de peintres antifascistes beim Malen eines Transparents für die Demonstration am 1.5.1976 zur Kritik der Kulturpolitik der Regierung. | Foto: César, Quelle: Claude Lazar

Collectif de peintres antifascistes beim Malen eines Transparents für die Demonstration am 1.5.1976 zur Kritik der Kulturpolitik der Regierung. | Foto: César, Quelle: Claude Lazar

Größe und Vielfalt der Internationalen Kunstausstellung für Palästina 1978 waren in der Region beispiellos. Die Rekonstruktion der Ausstellungsgeschichte spürt sowohl komplexen und sich zuweilen überschneidenden Netzwerken als auch der kaum erforschten gemeinsamen Geschichte politisch engagierter Künstler*innen nach, die sich auf verschiedenen Wegen für jene Anliegen engagierten, die der internationalen antiimperialistischen Bewegung der 1970er Jahre eingeschrieben waren: die Unterstützung der palästinensischen Sache, der Kampf gegen den Vietnamkrieg, die Pinochet-Diktatur und das Apartheidregime in Südafrika.

Im klassischen Sinne konservierte und katalogisierte Archive zur Internationalen Kunstausstellung für Palästina existieren nicht. Deshalb bedeutete der Versuch, die Entstehungsgeschichte der Ausstellung nachzuzeichnen vor allem detektivische Arbeit und schließlich das Öffnen einer Büchse der Pandora voll vergessener Hinterlassenschaften. Zeit der Unruhe verwebt Zeitzeugeninterviews mit vergilbten Ausschnitten aus Magazinen und Zeitungen, von denen die meisten nicht mehr verlegt werden, Dokumente aus unbekannten privaten Archiven mit Postern von Revolutionen, die längst ihr Feuer verloren haben, Fotografien und Filmmaterial, aufbewahrt in seit Jahrzehnten nicht mehr geöffneten Kisten. So entsteht eine spekulative historische Rekonstitution dieses Universums. Mit der Transformation dieser Recherchearbeit in eine Ausstellung befragt Zeit der Unruhe die archivarische Praxis und die Kunstgeschichtsschreibung. Wie kann die spekulative Geschichte einer Ausstellung konstruiert werden, deren offizielle Archive verloren gingen?

Zeit der Unruhe, das Ergebnis von fünf Jahren Recherchearbeit von Kristine Khouri und Rasha Salti, wurde durch die Großzügigkeit von über hundert Menschen ermöglicht, die ihnen ihre Erinnerungen, Einblicke, persönlichen Anekdoten und Zeit vertrauensvoll überließen und zustimmten, ihre Privatarchive mit der Öffentlichkeit zu teilen. Die aktuelle Ausgabe der Ausstellung ist erweitert durch die in Deutschland durchgeführten Forschungen und die Produktion von neuen Elementen, die die Kernfragen des Projektes weiter vertiefen.

Zeit der Unruhe wird kuratiert von Kristine Khouri und Rasha Salti und wurde 2015 vom Museu d´Art Contemporani de Barcelona (MACBA) konzipiert und präsentiert. Die Berliner Ausstellung 2016 ist eine Produktion des Hauses der Kulturen der Welt und des MACBA. Recherche gefördert durch Rana Sadik und Samer Younis, Sharjah Art Foundation, Arab Fund for Arts and Culture (AFAC), ZedGrant, A.M. Qattan Foundation und Tensta konsthall.