Mississippi. An Anthropocene River

Ein Forschungsprojekt zwischen Wissenschaft, Kunst und Bildung im Anthropozän
2018–2019

Meandering Mississippi. Map by Harold N. Fisk, U.S. Army Corps of Engineers, 1944 | Geological Investigation of the Alluvial Valley of the Lower Mississippi River

Meandering Mississippi. Map by Harold N. Fisk, U.S. Army Corps of Engineers, 1944 | Geological Investigation of the Alluvial Valley of the Lower Mississippi River

Wie kann das Anthropozän auf regionaler Ebene lesbar gemacht werden, ohne dabei seine Komplexität zu vernachlässigen? Das Projekt Mississippi. An Anthropocene River untersucht die menschlichen Einflüsse auf die Mississippi-Region und macht dieses Mensch-Umwelt-System in seinen historischen, sozialen und ökologischen Transformationen erfahrbar. Bis November 2019 entwickeln Forscher*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen in Zusammenarbeit mit Initiativen vor Ort in den USA konkrete lokale Zugänge zu planetarischen Veränderungen und entwickeln neue Methoden der transdisziplinären Forschung und Bildung.

Der mäandernde Strom des Mississippi ist mythisch aufgeladene Landschaft und Symbol für das menschliche Eingreifen in die Natur. Der Strom ist sich ständig wandelndes Ökosystem, Verkehrsader für Rohstoffe und Waren und Ablagerungsgebiet für Sedimente und Schadstoffe zugleich. Entlang des Flusses entstanden die ersten befestigten Siedlungen Nordamerikas, lange Zeit bildete er die Westgrenze der europäischen Besiedlung. Über Jahrhunderte war er Wasserstraße der kolonialen Ausbeutung, an seinen Ufern lagen die historischen Zentren von Plantagenwirtschaft und Sklaverei. Ehemals weniger Fluss als immenses Flutungsgebiet, entwickelte er sich Im Zuge seiner Eindämmung und Schiffbarmachung im 20. Jahrhundert zu einem gewaltigen Industrie- und Landwirtschaftskorridor. Heute reicht die menschliche Überformung der Flusslandschaft von den Forstgebieten am oberen Flusslauf über die industrielle Landwirtschaft des Mittleren Westens bis zu den Petrochemie-Zentren im Delta und den sauerstoffarmen „Totzonen“ im Golf von Mexiko.

Seit 2018 beleuchten fünf Field Stations historische und aktuelle Landschaftsformationen entlang des Flusses in Feldforschungen, öffentlichen Foren und Workshops. Ab dem 1. September 2019 wird die Anthropocene River Journey den Mississippi flussabwärts reisen und die Erkenntnisse der Field Stations zusammenführen. Im November wird der einwöchige Anthropocene River Campus: The Human Delta die Ansätze des Projekts konzeptionell bündeln. Eine Anthropocene River School wird die Ergebnisse der Feldforschungen in ein fortlaufendes, kollaboratives Bildungsformat übertragen und sowohl vor Ort als auch online zugänglich machen.

Gemeinsames Arbeitsinstrument und digitaler Einstieg in das Projekt ist die Forschungsplattform anthropocene-curriculum.org. Hier werden kontinuierlich und offen zugänglich Forschungsfragen diskutiert, Daten ausgetauscht und Arbeitsergebnisse präsentiert.