Spektral-Weiß

Die Erscheinung kolonialzeitlicher Europäer*innen
01.11.2019–06.01.2020

Unbekannte*r Künstler*in | Kolonialer Soldat mit Fernglas, Kongo, ca. 1980 | Sammlung Heike Behrend. © Foto: Anita Back/HKW

Unbekannte*r Künstler*in | Kolonialer Soldat mit Fernglas, Kongo, ca. 1980 | Sammlung Heike Behrend. © Foto: Anita Back/HKW

Unbekannte*r Künstler*in, „hentakoi“, Schreckfigur, Nikobarische Inseln, Indien, um 1900, Rautenstrauch-Joest-Museum, RJM 23331 | © Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Wolfgang Meier, rba_d029031

Unbekannte*r Künstler*in, „hentakoi“, Schreckfigur, Nikobarische Inseln, Indien, um 1900, Rautenstrauch-Joest-Museum, RJM 23331 | © Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Wolfgang Meier, rba_d029031

„Alles, was es braucht, um einen Unterdrücker zu karikieren, ist, ihn exakt so zu porträtieren, wie er ist.“
Julius Lips

1937 veröffentlichte der Kölner Ethnologe Julius Lips im US-amerikanischen Exil in seinem Buch The Savage Hits Back Darstellungen kolonialzeitlicher Europäer*innen. Mit diesen Bildern von Soldaten, Händlern, Missionaren und König*innen thematisierte er die Außenwahrnehmung europäischer Kultur in explizit antirassistischer Absicht. Die Sammlung wirft Fragen zu Gewalt und Aneignung, kultureller Symbolisierung und Mimesis, Kontakt und Widerstand auf und problematisiert so die globale Verflechtungsgeschichte der Moderne.

Lips sah in den Objekten und Fotos eine der europäischen Kunst überlegene Form des Realismus, aber auch antikoloniale Satire und Karikatur. Teile der Darstellungen wurden dezidiert für eine weiße Käuferschaft produziert. Lips’ Behauptung einer widerständigen Umkehrung der kolonialen Blickhierarchie und ihren kulturkritischen Implikationen erscheint daher fragwürdig.

Spektral-Weiß beschäftigt sich mit geschichtsphilosophischen Thesen, die in der Bumerang-artigen Rückkehr kolonialer Gewalt eine wesentliche Triebkraft für den europäischen Faschismus des 20. Jahrhunderts sehen. Dabei hinterfragt die Ausstellung rassistische Projektionen, das Begehren und die blinden Flecken, die es bis heute erschweren, der Matrix des weißen Blicks zu entkommen.
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Kuratiert von Anna Brus in Zusammenarbeit mit Anselm Franke
Im Rahmen von Kanon-Fragen

Ausstellung

Eröffnung Do 31.10.2019

Öffnungszeiten:
01.11.2019–06.01.2020
täglich außer Di
12–19h, Do 12–22h

24.–31.12. geschlossen
01.01. Neujahr 12–19h

Ausstellungshalle 2

Eintritt:
5€/3€, inkl. Zweitbesuch

Eintritt frei:
Montags und unter 16 Jahren

Kombiticket mit „Liebe und Ethnologie – Die koloniale Dialektik der Empfindlichkeit (nach Hubert Fichte)“:
9€/6€, inkl. Zweitbesuch

Publikation

Ein Begleitband auf Englisch erscheint im November 2019 im Reimer Verlag.
Hrsg. Anna Brus
Mit Beiträgen von Heike Behrend, Cora Bender, Anna Brus, Anselm Franke, Michael Harbsmeier, Ingrid Kreide-Damani, Gerald McMaster, Christopher Pinney, Nora Probst, Nii O. Quarcoopome, Erhard Schüttpelz, Nanette Snoep, Ann Stephen, Zoë S. Strother, Martin Zillinger