Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne

Das Original
Do, 02. April 2020 — Mo, 22. Juni 2020

Aby Warburg, Bilderatlas Mnemosyne, Tafel 39 (Detail) | Foto: Wootton / fluid

Aby Warburg, Bilderatlas Mnemosyne, Tafel 39 (Detail) | Foto: Wootton / fluid

Aby Warburg | Bilderatlas Mnemosyne, Tafel C (Detail) | Foto: Wootton / fluid

Aby Warburg | Bilderatlas Mnemosyne, Tafel C (Detail) | Foto: Wootton / fluid

Aby Warburg | Bilderatlas Mnemosyne, Tafel 6 & 77 | Foto: Wootton / fluid

Aby Warburg | Bilderatlas Mnemosyne, Tafel 6 & 77 | Foto: Wootton / fluid

Aby Warburg mit Gertrud Bing und Franz Alber vor Warburgs Tafelentwürfen, Rome, Palace Hotel, Mai 1929

Aby Warburg mit Gertrud Bing und Franz Alber vor Warburgs Tafelentwürfen, Rome, Palace Hotel, Mai 1929

In den 1920er Jahren entwickelte der Kunst- und Kulturhistoriker Aby Warburg (1866–1929) seinen sogenannten Bilderatlas Mnemosyne, der wiederkehrende visuelle Themen und Muster von der Antike über die Renaissance bis zur Gegenwartskultur nachzeichnet. Sein Ansatz ist Inspiration für die visuell und digital dominierte Welt von heute. Das HKW präsentiert die 63 Tafeln des Atlas – erstmals wiederhergestellt mit Warburgs originalem Bildmaterial.

Aby Warburg studierte die Wechselwirkungen von Bildern aus verschiedenen Epochen und kulturellen Kontexten. Er entwickelte den Bilderatlas Mnemosyne, um die Einflüsse der Antike auf die Renaissance und weit darüber hinaus bildlich darstellbar zu machen. Der Atlas bestand aus 63 großen schwarzen Tafeln, auf denen Warburg fotografische Reproduktionen von Kunstwerken aus dem Nahen Osten, der europäischen Antike und der Renaissance neben zeitgenössischen Zeitungsausschnitten und Werbeanzeigen anordnete. In den Jahren vor seinem Tod 1929 experimentierten Warburg und seine engsten Mitarbeiter*innen Gertrud Bing und Fritz Saxl mit Form und Funktion des Bilderatlas. Ihr Ziel war eine Publikation, die für die Diskussion zwischen Expert*innen ebenso wie für das breitere Publikum gedacht war. Im Entstehungsprozess entwickelte sich der Atlas zu einem Erkenntnisinstrument.

Warburgs Methodik setzte neue Maßstäbe: Sie bestand darin, kanonisierte Bilder neu anzuordnen und sie epochenübergreifend zu betrachteten; sein Projekt überschritt die Fachgrenzen zwischen Kunstgeschichte, Philosophie und Anthropologie und war grundlegend für die heutigen Disziplinen der Bild- und Medienwissenschaften. Heute bietet sein Umgang mit dem Bildgedächtnis Inspiration und alternative Routen durch eine von visuellen Medien bestimmte Realität.

Die Ausstellung im HKW stellt die letzte dokumentierte Version des Atlas von 1929 nahezu vollständig mit den Originalabbildungen wieder her: Die Kuratoren Roberto Ohrt und Axel Heil haben dafür in Zusammenarbeit mit dem Londoner Warburg Institute den größten Teil der 971 Abbildungen in der 400.000 Objekte zählenden Fotografiensammlung und Bibliothek des Instituts aufgespürt – und zeigen zum ersten Mal nach Warburgs Tod sein gesamtes unvollendetes Hauptwerk.

Eine Publikation im Folio-Format versammelt die 63 Bildtafeln von Warburgs Atlas – neu fotografiert mit dem originalen, vielfarbigen Bildmaterial, mit Texten von Axel Heil, Roberto Ohrt, Bernd Scherer, Bill Sherman, Claudia Wedepohl. Sie erscheint zur Ausstellung im Hatje Cantz Verlag. Ebenfalls bei Hatje Cantz erscheint im Herbst 2020 ein Textband mit ausführlichen Kommentaren der Kuratoren.

Die Ausstellung wird kuratiert von Roberto Ohrt und Axel Heil in Zusammenarbeit mit dem Warburg Institute, London.

Im Rahmen von Das Neue Alphabet

Ausstellung, Konferenz

Eröffnung Mi 01.04.2020

Öffnungszeiten:
02.04.–22.06.2020
täglich außer Di
12–19h, Do 12–22h

14.–16.04.2020
Auf den Wanderstraßen der Bildgeschichte – dreitägige Führung durch alle Tafeln des Bilderatlas

15. & 16.05.2020
Konferenz

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