Die jüngste Tochter

Fatima Daas | Sina de Malafosse

Die jüngste Tochter | Foto: Silke Briel

Die jüngste Tochter | Foto: Silke Briel

Jurykommentar

Jedes Wort dieses autofiktionalen Romandebüts zeugt von der Unerschrockenheit und verletzlichen Offenheit der Erzählerin, die als Tochter algerischer Einwanderer in Clichy aufwächst und versucht, die leidenschaftliche Gleichzeitigkeit zweier Outings zu ehren. Der Roman schildert die Suche nach einer Identität, in der eine junge Frau dem Islam näherkommen und sich von sexuellen Rollenzuschreibungen lösen kann, ohne das eine gegen das andere verteidigen zu müssen. Es ist auch eine Coming-of-Age-Geschichte und ein Text, der das Spannungsfeld zwischen der christlich-weißen Mehrheitsgesellschaft in Paris und den migrantisierten Minderheiten in den Vorstädten verhandelt. All das ist präzise poetisch und unerhört zeitgemäß erzählt und dabei in aller Selbstverständlichkeit und Spannbreite (Koran, Lyrik, Rap) auf Traditionen der arabischsprachigen Literaturen bezogen. So als gäbe es das Leben, in dem ein gleichwertiges Nebeneinander von Identitäten möglich ist, längst. Mit Die jüngste Tochter ist Fatima Daas diesem Leben vorausgeeilt.

– Annika Reich, Jury

Fatima Daas | © Joel Saget / Getty Images

Fatima Daas | © Joel Saget / Getty Images

Autorin: Fatima Daas

Fatima Daas studierte Literarisches Schreiben an der Universität Paris VIII. Ihr erster Roman, La petite dernière (Die jüngste Tochter), erhielt 2020 den Prix Les Inrockuptibles für das beste Debüt und wird in mehrere Sprachen übersetzt.

Sina de Malafosse | © privat

Sina de Malafosse | © privat

Übersetzerin: Sina de Malafosse

Sina de Malafosse studierte Romanistik und Komparatistik in Mainz und Dijon. Nach verschiedenen Stationen im Verlagswesen übersetzt sie seit 2015 aus dem Französischen, u. a. Adeline Dieudonné, Pauline Delabroy-Allard und Violette Leduc. Sie lebt in Toulouse.