Fr, 12. Juli 2019

Floating Alphabet

© Cecilia Poupon

© Cecilia Poupon

„die aprikosenbäume gibt es, die aprikosenbäume gibt es“ – mit dieser so einfachen wie rätselhaften Zeile beginnt eines der einflussreichsten Gedichte der jüngeren Literaturgeschichte: Das alfabet der Schriftstellerin Inger Christensen (1935–2009) versucht, die Dinge der Welt zu benennen und ihre Zusammenhänge aufzuzeigen. In dem 1981 erschienenen Langgedicht verschmilzt poetische Sprache mit Mathematik und Naturwissenschaften. Ausgehend von der Fibonacci-Folge, einer unendlichen Zahlenreihe, mit der sich sowohl das Pflanzenwachstum als auch die Vermehrung innerhalb einer Kaninchenpopulation beschreiben lässt, buchstabiert sich die Dichterin in systematisch anwachsenden Aufzählungen durch das, was „es gibt“: von Brombeeren zu Brom, vom Nachdenken zum Nachleuchten. Die Welt entsteht noch einmal neu, allein durch Sprache.

Bei einer Schiffsfahrt auf der Spree – am Hansaviertel vorbei, rund um den Westhafen und wieder zurück – erkunden Dichter*innen die Facetten des Gedichts von Alchemie über anthropozäne Landschaften bis hin zu klassenloser Sprache – gelesen auf dem Oberdeck, kommentiert und weitergedacht auf dem Unterdeck.

Mit Ricardo Domeneck, Daniel Falb, Christian Filips, Dagmara Kraus, Monika Rinck, Lorenzo Sandoval, Daniela Seel u.a.