Aus der Begründung der Jury:

Meine Katze Jugoslawien ist ein eigensinniger und wichtiger Roman, sprachlich leicht zugänglich und doch dicht gefüllt mit all den Komplexitäten, die menschliche Gefühlswelten zu bieten haben.

Im Wechsel folgen wir einer Mutter und ihrem Sohn durch unterschiedliche Zeiten und Situationen in ihren Leben, beide durch das verbunden, was sie trennt: die Gewalt eines Mannes, die patriarchale Gewalt. 

Pajtim Statovci traut sich, seine Leser*innen zu verunsichern, indem er mit den Konventionen des autofiktionalen Migrationsromans bricht. Dabei durchstreift er sprachlich mühelos verschiedene Zeiträume und Sujets, bringt souverän das Gewöhnliche und das Surreale, das Banale und Existentielle zusammen. Auf diese Weise führt er uns durch das sehr konkrete Erleben dessen, was im Abstrakten wohl als transgenerationales Trauma beschrieben werden kann. Zuweilen rührend, oftmals komisch und durchweg schonungslos. 

Statovcis zurückhaltende Sprache wurde von Stefan Moster schlicht, aber umso wirkungsvoller ins Deutsche übersetzt. Seine Übertragung ist geschmeidig, sowohl in den poetischen Beschreibungen als auch in den lakonischen und humorvollen Passagen und zeugt von einer tiefen Vertrautheit mit den Sprachen, zwischen denen er operiert. Pajtim Statovci ist mit Meine Katze Jugoslawien nichts Geringeres als ein europäischer Roman gelungen – ein Exilroman, ein Generationenroman, ein queerer Roman, keiner der Begriffe allein würde ihm gerecht. Ein literarisches Werk, das dank der Übersetzung von Stefan Moster nun auch im Deutschen zu lesen ist.

Jurystatement zur Shortlist:

Pajtim Statovcis Roman ist ein Knoten, geschnürt aus zwei Erzählsträngen, die sich um die Erfahrungen von Flucht, Exil, Rassismus und Liebe legen und dabei stilistisch mühelos Chatverläufe, Rückblenden und surrealistische Motive aufgreifen. Im Wechsel erzählt er von der jungen Emine, die bei Kriegsausbruch mit Mann und Kindern aus Jugoslawien fliehen muss, und von Bekim, ihrem Sohn, der Männer liebt – beide verbunden durch denselben Mann, unter dessen Gewalt sie leiden. Statovci gelingt es, transgenerationale Traumata und die Folgen des Exils spürbar zu machen, ohne das Thema explizit auszustellen. Im Gegenteil – in dieser skurrilen Fabel findet sich der Protagonist in einer manipulativen Beziehung mit einer homophoben Katze wieder, die ihn schließlich dazu bringt, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Statovcis zurückhaltende Sprache wurde von Stefan Moster schlicht, aber umso wirkungsvoller übersetzt. Ein in seinem trockenen Ton seltener Roman – intelligent, schmerzhaft und nicht ohne Selbstironie.
– Cia Rinne

Pajtim Statovci, geboren 1990, ist ein finnisch-kosovarischer Schriftsteller. Im Alter von zwei Jahren zog er mit seinen Eltern aus dem Kosovo nach Finnland, wo er Vergleichende Literaturwissenschaft studierte. Statovcis Werk wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Helsinki Writer of the Year Preis. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität von Helsinki.

Stefan Moster, geboren 1964 in Mainz, ist Schriftsteller und Übersetzer. Er war Dozent an Universitäten in München und Helsinki und übersetzte unter anderem Werke von Hannu Raittila, Ilkka Remes, Kari Hotakainen, Markku Ropponen, Petri Tamminen und Daniel Katz ins Deutsche. 2009 gab Moster sein literarisches Debüt mit dem Roman Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels. Er wurde unter anderem 2001 mit dem Finnischen Staatspreis für ausländische Übersetzer, 2018 mit dem Martha-Saalfeld-Förderpreis und 2022 mit dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis ausgezeichnet.

Info:
Pajtim Statovci: Meine Katze Jugoslawien
aus dem Finnischen von Stefan Moster
Luchterhand Literaturverlag, 2024
Leseprobe im Reader zur Shortlist [PDF; ca. 0,9MB]
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