Weiches Begräbnis

Fang Fang | Michael Kahn-Ackermann

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Weiches Begräbnis | Foto: Silke Briel

Weiches Begräbnis | Foto: Silke Briel

Jurykommentar

Literatur aus Asien, die sich nicht vorauseilend an westliche Erzählmuster anpasst – schon das ist ein Leseglück. Die Autorin hat das viel diskutierte Wuhan Diary verfasst. Ihr Roman Weiches Begräbnis war in China erst ein großer Erfolg und fiel dann plötzlich in Ungnade. Einer Frau ist es bis ins Alter gelungen, das Trauma von Maos Bodenreform zu verdrängen, bis ihr der neureiche Sohn, ein erfolgreicher Manager, den Komfort eines eigenen Hauses verschafft. Vom plötzlichen Luxus überfordert, fällt sie in einen Stupor. Nun begeben sich die Figuren des Romans auf Spurensuche, um ihren Zusammenbruch zu verstehen. Das wird von der Erzählerin in einem langen, ruhigen Erzählfluss begleitet – nicht-psychologischer Realismus, bescheiden und beharrlich. Was entsteht, ist das Epos einer kleinen, alten, von der Weltgeschichte hilflos durcheinandergerüttelten Frau, bewegend weit über China hinaus.

– Robin Detje, Jury

Fang Fang | © Wu Baojian

Fang Fang | © Wu Baojian

Autorin: Fang Fang

Fang Fang schreibt Romane, Novellen, Kurzgeschichten und Essays. 2016 veröffentlichte sie den Roman 软埋 (Weiches Begräbnis), für den sie mit dem renommierten Lu-Yao-Preis ausgezeichnet wurde, und der mittlerweile vom chinesischen Markt verschwunden ist. 2020 erschien 武汉日记 (Wuhan Diary. Tagebuch aus einer gesperrten Stadt). Seit ihrem zweiten Lebensjahr lebt sie in Wuhan.

Michael Kahn-Ackermann | © privat

Michael Kahn-Ackermann | © privat

Übersetzer: Michael Kahn-Ackermann

Michael Kahn-Ackermann studierte Sinologie an der LMU München und in Peking. 1988 war er Gründungsdirektor des Goethe-Instituts Peking. Er übersetzt aus dem Chinesischen, zuletzt Alles unter dem Himmel von Zhao Tingyang und Fang Fangs Wuhan Diary. Tagebuch aus einer gesperrten Stadt (2020). Kahn-Ackermann lebt in Nanjing.