Das Neue Alphabet


2019–2021

Filipa César, Textile/Text (research image for Das Neue Alphabet), 2018. Courtesy of the artist.

Filipa César, Textile/Text (research image for Das Neue Alphabet), 2018. Courtesy of the artist.

Gerichtshof der Europäischen Union, Dolmetscherkabine am „Tag der offenen Tür“ | © Giulia Bruno and Armin Linke, 2018

Gerichtshof der Europäischen Union, Dolmetscherkabine am „Tag der offenen Tür“ | © Giulia Bruno and Armin Linke, 2018

Karin Harrasser, Bildmontage auf der Grundlage von Francisco de Goyas „Vuelo de brujas“ von 1798 für Das Neue Alphabet, 2018 | © Courtesy of the artist

Karin Harrasser, Bildmontage auf der Grundlage von Francisco de Goyas „Vuelo de brujas“ von 1798 für Das Neue Alphabet, 2018 | © Courtesy of the artist

Ist eine Vielfalt von Sprachen, Schriften, Wissensproduktionen und Lernweisen jenseits der universellen Matrix eines einzigen Alphabets denkbar? Lassen sich gemeinsame Referenzpunkte finden und ist kollektives Handeln möglich, ohne alles auf einen Nenner zu bringen? Wie kann Wissen gleichzeitig ortsgebunden und global relevant sein?

Alphabete sind spezifische Formen phonografischer Zeichensysteme, die auf einer begrenzten Zahl klar unterscheidbarer Symbole basieren. Die Buchstaben eines Alphabets können kombiniert werden und bieten scheinbar unendliche Möglichkeiten semantischer und operationaler Kodierungen. Die Philosoph*innen der Aufklärung glaubten deshalb, dass nur die europäischen Alphabete für die Freiheit des Denkens geeignet wären. Als universalistische Matrix, die jegliche sprachliche Äußerung in ein abstraktes System fasst, stellt ein Alphabet aber nicht zuletzt auch eine imperialistische Infrastruktur dar. Sind Algorithmen, der Binärcode und die DNA die Alphabete von heute? Und welche Möglichkeiten wären denkbar, solche textlichen Infrastrukturen neu zu kodieren oder zu konterkarieren?

Der Titel des nächsten HKW-Langzeitprojekts, Das Neue Alphabet, versteht sich als Diagnose und Polemik zugleich: Lokale, undurchsichtige oder marginalisierte Wissensformen weichen mehr und mehr abstrakten universalisierenden Strukturen. Das Projekt macht es sich zur Aufgabe, Strategien des Widerstands gegen solche Prozesse forcierter Alphabetisierung zu identifizieren – oder sie zu entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf künstlerischen Methoden der Aneignung und Kreolisierung (und ihrer Bedeutung im Kontext der Alphabetisierung).

Zur Auftaktveranstaltung von Das Neue Alphabet navigieren Akademiker*innen und Künstler*innen durch die Wissens- und Sprachsysteme expandierender Welten, die von transkultureller Begegnung und der Spannung zwischen universalistischen Wissenssprachen und lokalen Gebrauchssprachen geprägt sind.

Die New Alphabet School – eine Schule künstlerischer, kuratorischer und aktivistischer Strategien – wird als von Boris Buden und Olga von Schubert kuratierter (Un-)Learning Place eröffnet, der Formen des (Ver)Lernens erforscht, um den Kritikbegriff als Praxis geteilter Verantwortung und Sorge neu zu denken.

In praktischen Erkundungen wird sich zudem das Programm der Kulturellen Bildung mit Möglichkeit von Positionierung, Haltung und Strategie beschäftigen: Hacking, queering oder mapping sind nur einige der Techniken, die sich im Kontext einer neuen Alphabetisierung anwenden lassen, um neue Expert*innen dafür zu begeistern, die Gegenwart neu zu lesen – und sie zu verändern.

Mit Asset Production, Kader Attia, Gigi Argyropoulou, Sandeep Bhagwati, Giulia Bruno, Boris Buden, Filipa César, Kate Crawford, Simon Denny, diffrakt – zentrum für theoretische peripherie, Fehras Publishing Practices, Paul Feigelfeld, Karin Harrasser, Ranjit Hoskoté, Yuk Hui, Alexander Kluge, knowbotiq, Sybille Krämer, Britta Lange, Armin Linke, Tactical Technology Collective, Telekommunisten, Trevor Paglen, raumlabor berlin, Slavs&Tatars, Felix Stalder, Studio Nand, Hito Steyerl, Nicoline van Harskamp und vielen anderen

Kuratiert von Bernd Scherer in Zusammenarbeit mit Olga von Schubert

Das Neue Alphabet wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Das Bildungsprogramm wird gemeinsam mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig (GfZK) entwickelt.

Eröffnung
10.–13.01.2019