Das Neue Alphabet


2019–2021

Giulia Bruno und Armin Linke, Gerichtshof der Europäischen Union, Dolmetscherkabine am „Europatag“, 2018 | © Giulia Bruno und Armin Linke, 2018

Giulia Bruno und Armin Linke, Gerichtshof der Europäischen Union, Dolmetscherkabine am „Europatag“, 2018 | © Giulia Bruno und Armin Linke, 2018

Filipa César, Textile/Text (research image for Das Neue Alphabet), 2018. Courtesy of the artist.

Filipa César, Textile/Text (research image for Das Neue Alphabet), 2018. Courtesy of the artist.

Ist eine Vielfalt von Sprachen, Schriften, Wissensproduktionen und Lernweisen jenseits der universellen Matrix eines einzigen Alphabets denkbar? Lassen sich gemeinsame Referenzpunkte finden und ist kollektives Handeln möglich, ohne alles auf einen Nenner zu bringen? Wie kann Wissen gleichzeitig ortsgebunden und global relevant sein?

Alphabete sind spezifische Formen phonografischer Zeichensysteme, die auf einer begrenzten Zahl klar unterscheidbarer Symbole basieren. Die Buchstaben eines Alphabets können kombiniert werden und bieten scheinbar unendliche Möglichkeiten semantischer und operationaler Kodierungen. Die Philosoph*innen der Aufklärung glaubten deshalb, dass nur die europäischen Alphabete für die Freiheit des Denkens geeignet wären. Als universalistische Matrix, die jegliche sprachliche Äußerung in ein abstraktes System fasst, stellt ein Alphabet aber nicht zuletzt auch eine imperialistische Infrastruktur dar. Sind Algorithmen, der Binärcode und die DNA die Alphabete von heute? Und welche Möglichkeiten wären denkbar, solche textlichen Infrastrukturen neu zu kodieren oder zu konterkarieren?

Der Titel des übergreifenden HKW-Projekts Das Neue Alphabet versteht sich als Diagnose und Polemik zugleich: Lokale, undurchsichtige oder marginalisierte Wissensformen weichen mehr und mehr abstrakten universalisierenden Strukturen. Das Projekt macht es sich zur Aufgabe, Strategien des Widerstands gegen solche Prozesse forcierter Alphabetisierung zu identifizieren – oder sie zu entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf künstlerischen Methoden der Aneignung und Kreolisierung und ihrer Bedeutung im Kontext der Alphabetisierung.

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