Fr., 05. Mai 2006 — So., 07. Mai 2006

Bilderkriege

Bruchstellen der Moderne

Internationale Konferenz
veranstaltet von der Kulturstiftung des Bundes und dem Haus der Kulturen der Welt

Die Kontroversen um die „Propheten-Karikaturen“ und die gewalttätigen Reaktionen in der islamischen Welt haben die Fragen nach den Spielregeln des Zusammenlebens von Menschen mit unterschiedlichen Werte-Orientierungen neu gestellt. Schlagartig wurde das bereits erreichte Ausmaß der Globalisierung deutlich. Jegliche öffentliche Kommunikation ist inzwischen weltweit wahrnehmbar, eine Beschränkung auf rein nationalstaatliche Kontexte oder bestimmte Zielgruppen gibt es nicht mehr. Und parallel zur wirtschaftlich globalisierten Welt mit ihrer Orientierung an säkular-liberalen Freiheits- und Menschenrechten existieren neue Netzwerke ganz anderer Wertesysteme, die sich nicht länger an der Peripherie verorten lassen.

Die Kontroversen um die „Propheten-Karikaturen“ und die gewalttätigen Reaktionen in der islamischen Welt haben die Fragen nach den Spielregeln des Zusammenlebens von Menschen mit unterschiedlichen Werte-Orientierungen neu gestellt. Schlagartig wurde das bereits erreichte Ausmaß der Globalisierung deutlich. Jegliche öffentliche Kommunikation ist inzwischen weltweit wahrnehmbar, eine Beschränkung auf rein nationalstaatliche Kontexte oder bestimmte Zielgruppen gibt es nicht mehr. Und parallel zur wirtschaftlich globalisierten Welt mit ihrer Orientierung an säkular-liberalen Freiheits- und Menschenrechten existieren neue Netzwerke ganz anderer Wertesysteme, die sich nicht länger an der Peripherie verorten lassen.

Diese Dezentralisierung der Welt erfordert ein neues Nachdenken über die Art und Weise, wie wir zukünftig miteinander leben wollen. Die weltweite Akzeptanz der Werte, wie sie in der westlichen Welt entwickelt und über Jahrhunderte verbreitet wurden, erweist sich als brüchig. Wenn die liberalen Freiheits- und Menschenrechten Basis für das Zusammenleben in einer Welt werden sollen, müssen alle globalen Akteure von ihrer Relevanz überzeugt werden. Konflikte wie der Streit über die Mohammed-Karikaturen zeigen ein Ausmaß an Diskrepanz, das gerade die Vertreter liberaler Freiheitsrechte dazu zwingt, ihr Verhalten und ihre Strategien zur Überzeugung anderer Akteure kritisch zu überprüfen und neu zu formulieren.

Es gibt sowohl in der islamischen Welt als auch in Europa Personen und Gruppen mit der Bereitschaft, einen Kampf um Werte konfrontativ aufzunehmen. Die jeweiligen Exponenten können sich trotz ihrer Gegnerschaft effektiv gegenseitig instrumentalisieren und Gegensätze verschärfen. Sie postulieren ihre eigene kulturelle Exklusivität, die es zu verteidigen gelte. Ihnen gemeinsam ist es, die andere Seite nach den Taten der jeweiligen Extremisten zu definieren und kollektiv dafür haftbar zu machen. Daher werden Konflikte auch in Zukunft leicht entzündbar bleiben – auch wenn gleichzeitig viele Stimmen des Ausgleichs vorhanden sind.

Ziel dieser Konferenz ist es, Strategien zur Diskussion zu stellen, die Polarisierungen entgegen wirken. Sie will den Stimmen ein Forum bieten, die Frontstellungen zu überwinden suchen - aus der islamischen Welt wie aus Europa, von Christen, Muslimen, Juden oder liberalen Humanisten.

Ein Defizit der teilweise hitzigen Debatten in den Medien war es, dass sie immer wieder in einen Schlagabtausch mit vorgestanzten Stereotypen abgleiten, anstatt zu helfen, drängende Fragen zu klären. Die Konferenz will Gelegenheit geben, die Komplexität einiger der aufgeworfenen Themen deutlich zu machen und die Vertreter verschiedener Positionen ins Gespräch zu bringen.

Dabei konzentrieren wir uns auf fünf Themenkomplexe:

- Welcher Logik folgen Medieninszenierungen in Zeiten der Globalisierung und welche Rolle spielt dabei die transkulturelle Ikonographie von Bildern?

- Wie gehen Vertreter staatlicher Institutionen und muslimischer Communities bei ihren Integrationsbemühungen in Europa und speziell in Deutschland mit Polarisierungen zwischen „dem Islam und dem Westen“ um?

- welche Bedeutung besitzt die Gleichzeitigkeit widersprüchlicher kultureller Anforderungen und Erwartungen für eine zeitgemäße Ausformulierung von zentralen Freiheits- und Menschenrechten?

- welche globalen Veränderungen beeinflussen das weltweite Zusammenleben von Individuen und Gesellschaften?

- und welche Strategien müssen wir entwickeln, um eine fruchtbare Koexistenz zwischen Individuen und Gesellschaften mit unterschiedlichen Werte-Orientierungen für die Zukunft zu ermöglichen?

Entscheidend ist, ob sowohl weltweit als auch innerhalb einzelner Gesellschaften Verhaltensregeln entwickelt werden können, die in gegenseitiger Anerkennung eine für alle Beteiligten akzeptable Berücksichtigung unterschiedlicher kultureller Werte ermöglichen.

Teilnehmer

Fathi el-Abed, Vorstandsmitglied im «Netzwerk Demokratischer Muslime», Kopenhagen, Ludwig Ammann, Islamwissenschaftler, Publizist, Gründer der Kool Filmdistribution, Freiburg i. Br., Abdullahi An-Naïm, Professor, Direktor des Programms Religion und Menschenrechte an der School of Law, Emory Universität, Atlanta, Seyla Benhabib, Professor der Politikwissenschaft und Philosophie an der Yale University, New Haven, Connecticut, Sabine Berking, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Irmgard Coninx Stiftung, Journalistin, Berlin, Hans-Günter Gnodtke, Auswärtiges Amt, Beauftragter für den Dialog mit der islamischen Welt, Berlin, Kai Hafez, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt, Erfurt, Adel Hammouda, Chefredakteur («Al-Fagr»), Kairo, Anne Knudsen, Chefredakteurin (Weekendavisen), Kopenhagen, Nils Minkmar, Journalist («FAZ»), Berlin, Ziba Mir-Hosseini, Anthropologin an der School of Oriental and African Studies (SOAS), London, Nicholas Mirzoeff, Professor für Visuelle Kultur an der NY Universität, New York, Ashis Nandy, Professor für Politische Psychologie, z. Zt. Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, Delhi / Berlin, Farish A. Noor, Politikwissenschaftler, Zentrum Moderner Orient (ZMO), Berlin / Malaysia, Gari Pavkovic, Leiter der Stabsabteilung für Integrationspolitik der Landeshauptstadt Stuttgart, Stuttgart, Günter Piening, Beauftragter des Berliner Senats für Integration and Migration, Berlin, Ulrich K. Preuß, Professor für öffentliches Recht und Politik an der Hertie School of Governance, Berlin, Muntaha al-Ramahi, TV Journalistin («Al-Arabyia»), Dubai (UAE), Walid Sadek, Künstler, Dozent für Kunsttheorie an der American University, Beirut, Werner Schiffauer, Professor für Kultur- und Sozialanthropologie an der Viadrina Universität, Frankfurt/Oder, Peter Schneider, Schriftsteller, Gastprofessuren in den USA, Berlin, Karen Schönwälder, Wissenschaftszentrum Berlin, Arbeitsstelle Interkulturelle Konflikte und gesellschaftliche Integration, Berlin, Emmanuel Sivan, Professor für islamische Geschichte an der Hebräischen Universität, Jerusalem, Jonathan Steele, Journalist («Guardian»), London, Krassimir Stojanov, Dozent am Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Hannover, Hannover, Bernd Ulrich, Journalist («Die Zeit»), Berlin, Sabiha el- Zayat, Zentrum für islamische Frauenforschung und Frauenförderung, Köln, Andreas Zumach, Journalist, Korrespondent der «TAZ» bei der UNO, Autor, Genf

Kulturstiftung des Bundes

Kulturstiftung des Bundes
Vorstand: Hortensia Völckers / Alexander Farenholtz
Vorstandsreferentin: Lavinia Francke
www.kulturstiftung-des-bundes.de

Haus der Kulturen der Welt
Intendant: Dr. Bernd Scherer
Bereichsleitung Literatur, Gesellschaft, Wissenschaft: Prof. Dr. Lydia Haustein
Konferenzorganisation: Thomas Hartmann