1948 Unbound

Entfesselung der technischen Gegenwart
Do, 30. November 2017 — Sa, 02. Dezember 2017

© Torsten Blume und Christian Lueger

© Torsten Blume und Christian Lueger

Das Jahr 1948 eröffnet alternative Perspektiven auf die Geschichte der Gegenwart. Der Schutthaufen, den zwei Weltkriege hinterlassen haben, fügt sich zu neuen technologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Ordnungen zusammen. Mit dem Beginn des atomaren, digitalen und petrochemischen Zeitalters markiert das Jahr 1948 einen Wendepunkt: die Auswirkungen der damaligen Entwicklungen prägen und bestimmen unsere gegenwärtige Lebenssituation. 1948 ist ein Jahr, in dem sich nicht allein unsere Welt – das moderne Projekt technokultureller und geopolitischer Gestaltung –neu fügt, sondern der Planet sich neu arrangiert. Mit der Mobilisierung der Technosphäre um 1948 beginnt auch das Anthropozän.

Im Rückblick auf 1948 als Sattelpunkt der sogenannten „Großen Beschleunigung,“ mit der zum Beispiel Bevölkerungszahlen, CO2-Ausstoß und Wasserverbrauch rasant anstiegen, wird deutlich, wie sich dieser Kristallisationsmoment von neuen Gefügen und die Umwandlung des Planeten in einen technischen Handlungsraum durch die verschiedenen Wissenschaften, industrielle Forschung ebenso wie künstlerische und politische Umbrüche zogen. Bemerkenswerterweise wurde die Entstehung von global wirksamen Technologien durch die Manipulation kleinster Bausteine, Komponenten oder „Bits“ befördert: durch die Modifikation chemischer Verbindungen, das Setzen von weltweiten Politik-, Wirtschafts- und Technologiestandards, das Experimentieren mit genetischem Material oder neuen Methoden des Zufalls- und Risikomanagements, durch Mikroelektronik, algorithmische Codes, kybernetische Visionen und neue Epistemologien wurden die Erde und ihre jeweiligen Sphären umfassend verändert.

Vom 30.11.-2.12.2017 untersuchen performative Formate, Vorträge und Gespräche unterschiedlicher Dauer, Sichtbarkeit und Interaktion historische Momente, ihre thematischen Verbindungen und Auswirkungen. Verschiedene Zugänge von künstlerisch-experimenteller zu historischer Grundlagenforschung befragen die epistemologischen und politischen Kategorien unserer Gegenwart und eröffnen alternative Perspektiven auf Umbruchsmomente, die diesen Planeten bis heute prägen. CHANCE, SEEDS, SWITCHES, HYDROCARBONS und TOKENS behandeln dabei beispielhafte und historisierbare Themenbereiche, die die Mobilisierung der Technosphäre um das Jahr 1948 herum konturieren. Sie umfassen Themen wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die Realisierung des Bipolartransistors oder die Erfindung „der Umwelt“ als globaler Bedingung, die zu erhalten und bewirtschaften wäre. Es ist das Jahr der Blütezeit des experimentellen, transdisziplinären Black Mountain Colleges mit der Ankunft von Buckminster Fuller und John Cage, und der Gründung des Vorreiters aller militärisch-akademischen-industriellen Think-Tanks, der RAND (Research ANd Development) Corporation. Die zu untersuchenden Themenfelder umfassen des Weiteren die Ausbreitung petrochemischer Kunststoffe und den beginnenden Verschwendungsexzess fossiler Brennstoffe, den Großen Stalin-Plan zur Umgestaltung der Natur, den Anbeginn der Kybernetik, die ingenieurs-technische Definition digitaler Information, die Regulierung des Welthandels durch die Havanna-Charta, die Apartheid, das Kopiergerät oder die Tupperware.

Konzept von Katrin Klingan, Christoph Rosol, Nicholas Houde und Bernard Geoghegan

Das Forschungsprojekt Technosphere 2015-2019 ist Teil von 100 Jahre Gegenwart.

Forschungen, Gespräche und performative Formate

30.11.–2.12.2017

Nachmittags- oder Abendticket: 6€/4€
Tagesticket: 01.12. & 02.12. 10€/6€
Dreitagesticket: 30.11.–02.12 20€/12€

Onlinetickets