Der Zivilisationsstandard

Asymmetries of the International System

Warum hat sich die Ungleichheit zwischen den Nationen immer weiter verfestigt? Wie konnte sich die imperiale Unterteilung in „zivilisiert“ und „rückständig“ dauerhaft erhalten – wenn auch mit einem neuen Vokabular der „Good Governance“, der „Transparenz“ und der „Menschenrechte“? Wie haben sich diese Begrifflichkeiten in die Gegenwart internationaler Rechtspraxis und Politik eingeschrieben? Untersuchungen des internationalen Rahmenwerks, das Krieg, Handel und Finanzwesen bestimmt, verdeutlichen die strukturelle Ungleichheit, die in unser globales System eingebaut ist, wie auch die weitreichenden Konsequenzen bestehender Machtkonzentrationen.

Mit Antony T. Anghie, In Koli Jean Bofane, Slavenka Drakulić, Susan George, Avery F. Gordon, Ramzi Kassem, Brigitta Kuster, Lawrence Liang, Christian Nyampeta, David Scott

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Antony T. Anghie ist Professor of Law an der National University of Singapore. Er war Juraprofessor an der University of Utah und Visiting Professor an der American University Cairo. Weitere Stationen seiner Laufbahn waren die Cornell University, die Harvard University, die London School of Economics und die Universität Tokio. Anghie forscht unter anderem zu Globalisierung, Entwicklung und Völkerrecht, Kolonialismus und Geschichte des internationalen öffentlichen Rechts sowie Third World Approaches to International Law (TWAIL). In seinem Buch Imperialism, Sovereignty and the Making of International Law (2005) vertritt er die These, dass koloniale Konflikte wesentlich zur Entstehung des Völkerrechts und des ihm zugrunde liegenden Begriffs der Souveränität beigetragen haben.

Der Autor In Koli Jean Bofane wuchs in Belgien auf. 1983 kehrte er in das Land seiner Geburt zurück, das damalige Zaire. 1993 verließ er die Demokratische Republik Kongo aufgrund zunehmender Unterdrückung der Redefreiheit und setzte seine Schriftstellerlaufbahn in Belgien fort. Bofanes erstes Buch Pourquoi le lion n’est plus le roi des animaux (1996) ist eine Satire über Diktatoren. Sein neuestes Werk Congo Inc. Le Testament de Bismarck (2015) zeichnet ein vielschichtiges Bild der Demokratischen Republik Kongo im Würgegriff der Globalisierung. 2015 wurde er mit dem Prix des 5 continents de la Francophonie ausgezeichnet.

Slavenka Drakulić ist Autorin und Journalistin. Ihre Erzählungen und Reportagen behandeln ein breites Themenspektrum von Feminismus und Krankheit über die Furcht vor dem Tod bis zu den Verhältnissen im kommunistischen und postkommunistischen Jugoslawien. Sowohl in ihren Romanen als auch in Sachtexten hat sich Drakulić ausführlich mit dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien auseinandergesetzt. In Keiner war dabei: Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht (2004) stellt sie die Frage, was Menschen dazu bringt, im Krieg brutale Verbrechen zu begehen. Mit Als gäbe es mich nicht (2001) verhalf sie den im Balkankrieg missbrauchten Frauen zu einer Stimme. Drakulić schreibt für verschiedene Zeitungen, darunter für den Guardian und die Süddeutsche Zeitung.

Susan George ist Politikwissenschaftlerin, Aktivistin und Autorin sowie Vorsitzende im Leitungsgremium des Transnational Institute in Amsterdam, eines internationalen Netzwerks wissenschaftlich tätiger Aktivisten, die für gesellschaftlichen Wandel eintreten. Ihr erstes wegbereitendes Buch Wie die anderen sterben. Die wahren Ursachen des Welthungers (1980) erfuhr weltweite Anerkennung. Seither hat George umfangreich zum Problem der globalen Ungleichheit publiziert, unter anderem die Bücher Whose Crisis? Whose Future? (2010) und Shadow Sovereigns: How Global Corporations Are Seizing Power (2015). Sie ist Ehrendoktorin der University of Newcastle-upon-Tyne und der Universidad Nacional de Educación a Distancia in Madrid.

Avery F. Gordon ist Professorin für Soziologie an der University of California, Santa Barbara, und zurzeit (2015 bis 2018) Visiting Professor an der Birkbeck School of Law der University of London. Ihre neuesten Buchveröffentlichung sind: The Hawthorn Archive: Letters from the Utopian Margins (erscheint in Kürze), The Workhouse: The Breitenau Room (mit Ines Schaber, 2012) und Ghostly Matters: Haunting and the Sociological Imagination (2. Auflage 2008). Gordon befasst sich in ihrer Arbeit mit radikalen Denk- und Handlungsansätzen sowie mit Gefangenschaft und anderen Formen der Enteignung. Sie ist Mitglied im Redaktionskomitee der Zeitschrift Race & Class und eine Moderatorin der wöchentlichen Sendung No Alibis des Uni-Radios KCSB FM Santa Barbara.

Ramzi Kassem ist Professor of Law an der City University of New York und dort Leiter der Immigrant & Non-Citizen Rights Clinic sowie des Projekts CLEAR. Gemeinsam mit den Studierenden vertritt er Häftlinge verschiedener Nationalitäten, die in amerikanischen Haftanstalten des In- und Auslands festgehalten werden, aber auch Einwohner von New York, die ins Visier des sich ausbreitenden amerikanischen Sicherheitsstaates geraten. Bevor er 2009 an die juristische Fakultät der CUNY berufen wurde, war er Dozent an der Yale Law School. Seine Forschungsgebiete sind die legislativen und exekutiven Reaktionen auf die Anschläge vom 11. September 2001 sowie andere tatsächliche oder als solche wahrgenommene Bedrohungen der nationalen Sicherheit, ebenso die Rechte von Minderheiten und ausländischen Staatsbürgern und das humanitäre Völkerrecht.

Brigitta Kuster ist Künstlerin, Kulturwissenschaftlerin und Autorin mit Schwerpunkt auf bild- und filmwissenschaftlichen Themen, Postkolonialismus sowie Migrations- und Grenzregimeforschung. Ihre Arbeit nimmt die Form von Forschungsprojekten, Ausstellungen und Filmessays an. Kuster bildet gemeinsam mit Regina Sarreiter und Dierk Schmidt das Künstlerkollektiv Artefakte. Mit Moïse Merlin Mabouna arbeitet sie am filmischen Langzeit-Forschungsprojekt choix d’un passé, in dem es um das Nachwirken des Kolonialismus in Kamerun geht. Dieses Projekt ist auch Gegenstand ihrer neuesten Buchveröffentlichtung Choix d'un passé - transnationale Vergegenwärtigungen kolonialer Hinterlassenschaften (2016).

Lawrence Liang ist Rechtswissenschaftler, Autor und Anwalt beim Alternative Law Forum in Bangalore, Indien. Sein Arbeitsinteresse liegt am Schnittpunkt von Recht und Kulturpolitik. Insbesondere hat er sich in den vergangenen Jahren mit Fragen der Medienpiraterie auseinandergesetzt. Er arbeitet eng mit der unabhängigen Rechercheinitiative Sarai in Neu-Delhi am Forschungsprojekt Intellectual Property and the Knowledge/Culture Commons zusammen. Liang ist Autor von Primer on Open Content (2007) und The Public is Watching: Sex, Laws and Videotape (2007). Zuletzt hat er gemeinsam mit anderen Invisisble Libraries (2016) verfasst, eine spekulative Erzählung über Bibliotheken und die Zukunft des Lesens. Er publiziert regelmäßig zu Fragen des Urheberrechts und zu rechtlichen Aspekten der Populärkultur.

Chistian Nyampeta ist Künstler und Doktorand am Visual Cultures Department of Goldsmiths, University of London. Er erforscht die Philosophie im subsaharischen Afrika. Zu seinen laufenden Aktivitäten gehört die Mitarbeit an den Forschungsprogrammen von Another Roadmap, African Cluster. Zuletzt zeigte er seine Arbeiten auf der Gwangju-Biennale (2016) und auf der Jerusalem Show VIII (2016). Weitere Ausstellungsprojekte waren Through the Fog: Descripting the Present, State of Concept, Athen; Prix de Rome 2015, de Appel Arts Centre, Amsterdam; How to Live Together: Prototypes, The Showroom, London, sowie Casco, Utrecht, und Stroom, Den Haag.

David Scott unterrichtet am Department of Anthropology der Columbia University und arbeitet daran, die Kolonialgeschichte für die postkoloniale Gegenwart neu zu erschließen. Im Zuge dessen erforscht er Traditionen und Generationen, Dialoge und Kritik, Selbstbestimmung und Souveränität, Tragödie und Zeitlichkeit, transnationale Justiz und Liberalismus. Er ist Autor der Bücher Formations of Ritual (1994), Refashioning Futures (1999), Conscripts of Modernity (2004), Omens of Adversity (2014) und Stuart Hall’s Voice: Intimation of an Ethics of Receptive Generosity (erscheint in Kürze). Scott ist Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Small Axe sowie Leiter des Small Axe Project.